Von dort nach hier
Lange, lange ist es her, aber ich habe es nun endlich auch geschafft, ein anstaendiges Internetcafe zu finden und zwar nicht in Indien. Alleine in Bangalore, ist es wie im Dschungel. Man weiss nie, wann man von irgendwelchen Wilden mit Steinen beworfen wird:-) Die ersten Tage im Kloster liessen sich aufgrund Heinmweh und extremen Vermissungen nur sehr schwierig gestalten. Doch das war nur einer der vielen Gruende, warum ich mich entschieden habe zwei Wochen nach Thailand zu reisen. Am ersten Tag wurde ich von zwei Nonnen durch das Klosterkomplex gefuehrt. Hier gibt es zwei Kinderhaeuser, ein Krankenhaus, eine Wohlfahrtstation, mehrere Kapellen, eine Schule, ein Teacherscamp, das Nonnenhaus und eine riesige Kueche.
Zuerst ging es in die Kapelle, in der eine Raeucherstaebchenlaenge lang gebetet wurde, danach ging es zu den Kranken ins Krankenhaus, vor denen auch erstmal ein kleines Gebet aufgesagt wurde. Nachdem mein “Stundenplan” fuer die erste Woche festgelegt war, bin ich erstmal mit den zwei Schwestern in einer der Rikscha durch die Stadt gefahren. Waehrend der Fahrt wurde fuer eine sichere Heimkehr gebetet. An jeder Kirche wurde angehalten und gebetet. Kein Scherz. Irgendwie habe ich mich sehr sicher und fromm gefuehlt, so zwischen zwei Nonnen.
Hier mein Stundenplan: Morgens von 9-10Uhr ins Lehrercamp, anschliesend Kaffee trinken. Danach von 11-13Uhr ins Krankenhaus, von 13-15Uhr in die Wohlfahrtstation und von 15-16Uhr Mittagsschlaefchen halten. Zuletzt dann von 16-17Uhr Englisch unterrichten. Das alles hat sich fuer mich nach sinnvoller Zeitgestaltung angehoert, bis zum naechsten Tag…..
Im Teacherscamp wurde ich in eine Klasse ohne Lehrer gesetzt und durfte mich mit den Studentinnen (alles Maedels aus dem Kloster also angehende Nonnen oder Heimmaedels) austauschen. Ich wurde viel ueber die Kulturunterschiede ausgefragt und natuerlich galt das Interesse der Studentinnen insbesondere der Partnerschaft. Jedesmal wurde beim Wort Freund oder Mann gekichert und gegackert, natuerlich zu meinem Vergnuegen.
Im Krankenhaus angekommen, wurde ich erstmal abgestellt und nicht wieder abgeholt. Nach einer halben Stunde, wurde ich dann zu einer Nonnen hinter die Medikamentenausgabe gesteckt. Dort wurde mir gesagt, dass ich bei der Medikamentenausgabe behilflich sein soll. Pustekuchen, die Nonne hat alles alleine gemacht, obwohl ich mich schon sehr auffaellig versucht habe, bemerkbar zu machen. Am naechsten Tag habe ich mich einfach neben sie gestellt und die Rezepte der Patienten einfach entgegen genommen. Die Nonne hatte allerdings nur wenig Geduld mit mir, sodass sie mich irgendwann, nachdem ich ihr das zweite Mal das falsche Medikament gereicht hatte, mit der flachen Hand in die Huefte geschlagen hat. Das war’s dann. Habe mich da nicht mehr blicken lassen!
In der Wohlfahrtstation verlief es nicht anders. Ich wurde von der Nonne, die fuer mich zustaendig ist vorgestellt und dort abgestellt. Nachdem mir alle Zimmer gezeigt wurden, wurde mir gesagt, dass es nicht viel zu tun gaebe. Ich habe Willen gezeigt und bin selbststaendig durch die Zimmr gegangen, habe mich bei den wenigen Patienten, die da waren vorgestellt und habe ungefaehr zig mal gefragt, ob ich irgendwie bei irgendetwas helfen koennte. Ich wurde nur verwundert angeschaut und danach in der Eingangshalle stehen gelassen. Nach 20 Minuten wurde es mir dann zu bloed und ich bin wieder ins Kloster zurueckkekehrt.
Der Englischunterricht mit den etwas aelteren Maedchen war der einzige Lichtblick an diesem Tag. Es ist zwar schwierig Englisch zu unterrichten, wenn man kein Indisch sprechen kann, aber es war eine Herausforderung und es hat funktioniert.
Habe abends versucht mich in der Kueche zu angagieren (ihr wisst ja wie gerne ich koche und backe). Spaeter wurde mir dann gesagt, dass ich das doch bitte lassen soll. Die Maedels wuerden das schon machen. Da ich mich aber nicht gerne einfach so abspeisen lasse, bin ich die Tage darauf dennoch in die Kueche gegangen und habe mitgeholfen. Natuerlich habe ich vorher die Kuechennonne gefragt, ob ich mithelfen darf. Irgendwann wurde es mir dann gestattet, weil ich nicht locker gelassen habe.
Leider musste ich feststellen, dass das Zusammenleben mit den Nonnen nicht so froehlich und heilig ist, wie ich mir das vorgestellt hatte. Welchen wichtigen Punkt ich zu Beginn voellig vergessen habe und welcher mir jetzt erst bewusst ist, lautet wie folgt: Nonnen sind auch nur Menschen, wie du und ich. Sie koennen genauso skrupellos, gemein und launisch sein. Sie haben auch ihre Macken und Zicken und sind trotz ihres Heiligenscheins, der sie scheinbar umgibt, auch nicht perfekt.
Hier sind ein kleines Beispiel:
Am zweiten Tag meines Klosterlebens dachte ich mir, dass ich nicht alleine in meinem Zimmer fruehstuecken moechte und da habe ich mich einfach zu den Nonnen in die Halle gesetzt, um gemeinsam mit denen zu fruehstuecken. Es wurden einige Dinge ausgetauscht, viele Fragen gestellt und gegessen. Mit einem guten Gefuehl bin ich in den Tag gestartet, bis der Abend anbrach. Eine Nonnen kam zu mir, um mir zu sagen, dass dieses Fruehstueck eine Ausnahme gewesen sei und, dass ich das naechste mal bitte alleine fruehstuecken soll. Damit ich mich nicht alleine fuehle, hat sie mir das Zimmermaedchen “zur Verfuegung” gestellt. Am naechsten Tag sass das Zimmermaedchen allerdings nur neben mir und schaute mir beim Fruehstueck zu. Das hatte auch seinen Grund….. Leider haben die Kinder im Moment Ferien. Diejenigen, die noch einen oder beide Elternteile haben, verbringen ihre Ferienzeit zu Hause und der Rest ist im Sommercamp, ausserhalb von Bangalore. Das wurde mir allerdings erst bei meiner ersten Begegnung erklaert. Obwohl ich mich immer wieder mehrfach versucht habe einzubringen und meine Hilfe anzubieten (fast schon aufdringlich), machte es den Anschein, dass ich nicht wirklich gebraucht werde. Immer wenn ich zu der Hauptnonne gegangen bin, um nach Arbeit zu fragen, wurde mir gesagt: “Relax Susanna, enjoy!” Klar ist es schoen mal zu entspannen, aber nicht 24 Stunden am Tag.
Die naechsten Tage kam ich mir ebenfalls nutzlos und ungebraucht vor. Jedesmal, wenn ich helfen wollte, war es vergebens.
Es werden noch mehrere Berichte folgen, jedoch habe ich beschlossen etappenweise zu berichten, weil es auf Dauer sowohl fuer Leser als auch fuer mich anstrengend wird. Mir geht es gut, ich befinde mich in Chiang Mai und geniesse es, mal nicht von Nonnen umgeben zu sein.
(2 years ago)
